Sep 27

Sie gehen nicht mehr zur Arbeit, vernachlässigen ihre Freunde und leben nur noch in der virtuellen Welt: 560.000 Menschen in Deutschland gelten einer neuen Studie zufolge als internetsüchtig. Betroffen sind vor allem junge Mädchen.

Jeder hundertste Deutsche zwischen 14 und 64 kann nicht mehr ohne das Internet leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste repräsentative Studie im Auftrag der Bundesregierung, die am Montag vorgestellt wurde. Das sind rund 560.000 Menschen. Weitere 2,5 Millionen werden demzufolge als problematische Internetnutzer eingestuft. Besonders gefährdet sind junge Leute: Unter den 14- bis 24-Jährigen gelten 2,4 % als internetsüchtig und 13,6 % als problematisch.

Internetsucht zeigt sich aus Sicht der verantwortlichen Wissenschaftler der Universitäten Lübeck und Greifswald an mehreren Merkmalen. Die Betroffenen leiden unter Entzugserscheinungen, wenn sie nicht online sind. Sie sind dann reizbar und schlecht gelaunt oder leiden unter Angst. Um nicht offline gehen zu müssen, gehen sie nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule, vernachlässigen Freunde oder Familie und verwahrlosen teilweise sogar körperlich.

Besonders auffällig ist aus Sicht der Forscher, dass in der besonders anfälligen Gruppe der 14- bis 16-Jährigen vor deutlich mehr Mädchen (4,9 %) als Jungen (3,1 %) internetabhängig sind. Die auffälligen Mädchen sind vor allem in sozialen Netzwerk aktiv (77,1 %), die Jungen nutzen eher Onlinespiele (33,6 %). “Wir vermuten, dass junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet, und dadurch auch eher eine Abhängigkeit entwickeln können”, sagt Hans-Jürgen Rumpf von der Uni Lübeck. Um die genaue Ursache ermitteln zu können, seien jedoch weitere Tests nötig. Eine Folgestudie soll weitere Details liefern.

Für den Bericht hatten die Wissenschaftler mehr als 15.000 Menschen zwischen 14 und 64 telefonisch befragt. Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans sind die Zahlen alarmierend genug, um die Internetsucht zum Schwerpunktthema fürs nächste Jahr zu erklären. Sie wolle sich zum Beispiel für eine bessere Beratung und Behandlung von Internetsüchtigen einsetzen, kündigte die FDP-Politikerin an. und sie hat noch eine weitere Idee, wie die Ergebnisse der Studie möglicherweise in gesetzliche Richtlinien umzumünzen sind: Demnach könnte die Einschätzung, ob und wie stark suchtgefährdend ein Computerspiel ist, in die Altersbegrenzung einfließen.

Quelle: Frankfurter Rundschau Online

Jun 17

Negativpreis “Goldener Windbeutel” 2011
Belastet nicht? Ideal für zwischendurch? Von wegen! Ferrero bekommt für seine “Milch-Schnitte” den “Goldenen Windbeutel” verliehen – wegen der dreistesten Werbelüge des Jahres.

Der “Goldene Windbeutel” für die dreisteste Werbelüge 2011 geht an die Firma Ferrero für ihre “Milch-Schnitte”. Das ergab eine von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch initiierte Online-Abstimmung, deren Ergebnis am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach stimmten mehr als 51 000 Verbraucher (43,5 Prozent) für die “Milch-Schnitte”. Insgesamt gaben 117 688 Menschen auf der Internetseite abgespeist.de ihre Stimme ab.

Die Leiterin der Foodwatch-Kampagne gegen Etikettenschwindel, Anne Markwardt, kritisierte: “Die Ferrero-Manager täuschen ihre Kunden nach Strich und Faden, wenn sie ein solches Produkt als sportlich-leichte Zwischenmahlzeit bewerben.” Mit einer so krass irreführenden Werbung trage Ferrero eine erhebliche Mitverantwortung dafür, dass in Deutschland bereits 15 Prozent der Kinder als übergewichtig gelten würden. Die “Milch-Schnitte” habe mehr Zucker, mehr Fett und mehr Kalorien als ein Stück Schoko-Sahnetorte.

Der Süßwarenkonzern Ferrero bewerbe die “Milch-Schnitte” mit dem Slogan “Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch” und mit der Unterstützung wechselnder Spitzensportler, sagte Markwardt. Tatsächlich sei das Produkt mit einem Zucker- und Fettgehalt von rund 60 Prozent alles andere als sportlich oder leicht.
Auf Platz zwei der Etikettenschwindelliste schaffte es “Activia” von Danone mit 28,9 Prozent der Stimmen. Auf Rang drei folgte “nimm2″ von Storck (16,1 Prozent). Den vierten Platz heimste “Ferdi Fuchs Mini-Würstchen” von Stockmeyer (5,9 Prozent) ein. Auf Rang fünf lag “Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen” von Kühne (5,7 Prozent).

Der Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, Thilo Bode, kritisierte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für seine Kooperation mit dem Süßwaren-Hersteller Ferrero. Wenn sich der DFB eng mit Firmen der Lebensmittelindustrie verbinde, dafür Geld bekomme und die Firmen im Gegenzug den guten Namen des größten Sportverbandes der Welt und seiner äußerst populären Spitzensportler nutzen könnten, um ihre “als harmlose Zwischenmahlzeiten getarnten Dickmacher unters Volk zu bringen”, sei das ein inakzeptabler Zustand, sagte Bode.

“Es gehört schließlich zu den in der Satzung des DFB festgeschriebenen gemeinnützigen Aufgaben, eine gesunde Ernährung präventiv zu fördern”, sagte Bode. Es könne nicht angehen, “dass man alles für Geld macht und die Jugend- und Sportförderung davon abhängig gemacht wird, wie viel Geld Privatkonzerne geben”, so Bode. “Dazu muss sich der DFB mal öffentlich äußern.”

Download: Die Hitliste der Werbelügen 2011 von den Seiten der Frankfurter Rundschau Online

Quelle: Frankfurter Rundschau Online

Jan 14

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie sich Prüfungspanik mit Papier und Stift bekämpfen lässt.

Angst blockiert bekanntlich den Kopf. Forscher der Universität Chicago haben Studenten mit Prüfungsangst jetzt kurz vor dem Test über ihre Ängste schreiben lassen. Und erzielten damit erstaunliche Ergebnisse: Diejenigen, die sich ihre Furcht kurz vor der Prüfung zehn Minuten lang von der Seele schrieben, schnitten erheblich besser ab. “Auch die besonders ängstlichen Studenten konnten ihr Potential abrufen”, sagt Sian Beilock, Professorin für Psychologie und eine der Autorinnen der Studie. Durch das Schreiben konnten die Probanden ihre Ängste abladen und bekamen den Kopf wieder frei, um sich auf die Inhalte des Tests zu konzentrieren.

Die Psychologen ließen zwanzig Studenten zwei kurze Mathematik-Tests absolvieren. Vor dem ersten Test ermunterten sie die Gruppe lediglich, ihr Bestes zu geben. Beim zweiten Teil erzeugten die Forscher gezielt eine Stress-Situation: Die Studenten mit den besten Ergebnissen bekämen Geld, andere Studenten seien abhängig von den guten Leistungen der Probanden, hieß es. Zudem werde der Test auf Video aufgezeichnet und später Mathe-Lehrern vorgespielt.

Die Hälfte der Studenten sollte zehn Minuten lang aufschreiben, was für Gefühle der Test in ihnen auslöste. Die andere Hälfte saß zehn Minuten untätig da und wartete. Die Schreibgruppe erzielte deutlich bessere Leistungen als die Kontrollgruppe, stellten die Forscher fest. Durch ein weiteres Experiment zeigten die Wissenschaftler, dass es nicht allein das Schreiben als solches war, das hilfreich war, sondern tatsächlich das gezielte Aufschreiben der Ängste.

In früheren Forschungen hatte Sian Beilock bereits nachgewiesen, dass akute Stress-Situationen die Leistung des Gehirns verringern können. Der Teil des Gehirns, der alltägliche Aufgaben bearbeitet – quasi der Arbeitsspeicher des Menschen -, ist der Psychologin zufolge begrenzt. Kämen Sorgen und Ängste auf, dann werde dieser Speicher überlastet und funktioniere schlechter, so Beilock. Wer während der Prüfung über Versagen nachdenkt, versagt oft tatsächlich.

“Wir denken, dass diese Art des Schreibens den Menschen auch in anderen Situationen helfen kann, ihr Bestes zu geben”, sagt Beilock. “Zum Beispiel bei einer wichtigen Präsentation für einem Kunden, vor einer Rede oder sogar bei einem Bewerbungsgespräch.” Prüfungsangst hält sie für ein ernsthaftes Problem, weil sich schlechtere Leistungen durch Blockaden auf den gesamten Studienverlauf und später auf das Berufsleben auswirken können. “Das kann potentiell qualifizierte Studenten hindern, Teil des Talentpools für aussichtsreiche Jobs zu werden und zum Beispiel Karriere in der Wissenschaft, im Technologiebereich oder in den Ingenieurberufen zu machen.” (ssu)

Dez 12

Die Behörden gehen von verschiedenen Bedrohungsszenarien für Deutschland aus. Das ist Panikmache. Und aus statistischen Gründen ziemlich unangebracht.
VON RANGA YOGESHWAR

Niemand hat mich gewarnt, als ich vor Wochen mein Zimmer buchte, doch bei der Ankunft in Hamburg stöhnt der Taxifahrer: “In Ihrem Hotel tagen die Innenminister!” Unsere Fahrt verläuft chaotisch. Die halbe Hamburger Innenstadt ist gesperrt. Schranken, Blaulicht, Umleitungen, Stau, Kontrolle. Mit Verspätung erreichen wir das Hotel. Entlang der Außenalster vor Hauseingängen und Seitenstraßen patrouillieren Polizisten und Sicherheitsbeamte. Was für ein Aufgebot!

An der Hotelrezeption entschuldigt man sich für die Unannehmlichkeiten. Mein Zimmer ist im siebten Stock. Überall, in der Lobby, in den Fluren, im Aufzug stehen Herren im grauen Anzug mit breiten Schultern und wachsamen Augen. Sie tragen ein grünes Badge. Darauf steht “Personenschutz”. Sie sind freundlich, wir witzeln. “Ja, Herr Yogeshwar, hier sind Sie sicher.” Mein Hamburger Aufenthalt ist eine Verirrung in eine mir fremde Welt. Der Blick aus meinem Zimmer fällt auf die Außenalster. Novemberwetter in Hamburg, kalt, feucht und grau. Die Silhouette der Stadt hat sich in einen feinen Nebelschleier gekleidet.
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In der unsicheren Welt
Im Hotelprospekt heißt es: “Als Gast in unserem Hotel in Hamburg entdecken Sie neue Perspektiven auf unsere schöne Stadt.” Von oben betrachte ich die Emsigkeit des massiven Sicherheitsaufgebots: martialisch gekleidete Polizisten in dunkelblauen Overalls, Helme, Funkgeräte, zivile Beamte mit dem obligaten Knopf im Ohr, Pferdestaffeln und Blaulicht auf strotzenden Luxuslimousinen. Warum richtet man eine solche Tagung inmitten einer Stadt aus?

Die Minister könnten doch auf einem Schiff tagen, da wäre die Sicherheit doch einfacher zu bewerkstelligen. Doch wer weiß – vielleicht ist der eine oder andere von ihnen seekrank? Ich muss ins Fernsehstudio. Taxi? Nein – in der Nähe des Hotels sind keine Taxen erlaubt. Die Sicherheitsbeamten sind ausgesprochen höflich und entschuldigen sich. Ich verrate ihnen meine Idee von der ausgelagerten Tagung. Sie nicken. Ja, auch für sie erscheint der ganze Aufwand hier übertrieben. Wir verstehen uns. Ich gehe also zu Fuß, um irgendwo dort draußen in der “unsicheren” Welt ein Taxi zu finden. Der Regen hat zugenommen.

In der Fernsehsendung reden wir über mein neues Buch “Ach so!”: Antworten auf Fragen des Alltags. Warum fällt der Apfel vom Baum? Warum haben Frauen kalte Füße? Als ich heimkehre, zu Fuß, weil die Taxen ja nicht vorfahren dürfen, fragt mich der Polizist: “Wohin wollen Sie?” – “In mein Hotel – tut mir leid, dass auch die Innenminister dort wohnen.” Ich muss ihm meine Zimmerkarte zeigen. Dann erkennt mich der junge Beamte: “Sind Sie nicht der aus dem Fernsehen?”

Wir reden über die Absurdität von Straßensperren und über den ganzen Aufwand. “Politiker sind doch Staatsdiener”, meine ich, “sie sollten uns Bürgern dienen, doch hier scheint sich das wohl umzukehren. Eine Stadt mit Bürgern, Taxifahrern und Politikern dient den Ministern.” Er lacht, und sein offener Blick passt gar nicht zu seiner gepanzerten Uniform. Die ganze Nacht wird er draußen ausharren müssen. In der Kälte und im Novemberregen. “Sehen Sie”, sagt er, “da habe ich das Abitur absolviert, und nun lande ich hier!”

Wir reden offen, wie zwei ganz normale Bürger. Die Funktionen und Dienstgrade haben sich aufgelöst. Er mag meine Sendung und interessiert sich für wissenschaftliche Themen. Und auch in Sachen Terrorhysterie liegen unsere Ansichten nahe beieinander. Wir wünschen uns eine gute Nacht, und ich stelle mir vor, wie schwer es wohl sein muss, wenn man bei dieser Einstellung die ganze Nacht gegen den angeblichen Terror anfrieren muss. In den Spätnachrichten ist die Rede von einem verdächtigen Gepäckstück in Namibia.

Eine Bombe im Flugzeug Richtung Deutschland? Zugegeben, ich bin nur Wissenschaftsjournalist, befasse mich mit physikalischen Phänomenen, doch offen gesagt glaube ich nicht an diese Nachricht. Das passt doch alles zu gut. Bei mir im Hotel die Innenminister, und ausgerechnet jetzt wird verkündet, dass Deutschland demnächst zum Ziel eines Terroranschlags wird. Das riecht nach Inszenierung.

Ich kann nicht einschlafen, denn mir wird bewusst, dass mein Bett inmitten der Zielscheibe des angeblichen Terrors steht. Wenn schon Attentat, dann doch hier! So viel Polizei ist doch das Warnsignal für drohende Gefahr, das beruhigt nicht – im Gegenteil. Auf der nächtlichen Außenalster patrouilliert ein Boot, und entlang der leeren Straße stehen frierende Polizisten.

Ich rufe meine Frau an. Den Kindern geht es gut. Mein Sohn macht dieses Jahr Abitur und war bei der Berufsberatung. “Geh nicht zur Polizei!”, denke ich, sonst musst du sinnlos frieren. Während des Telefonats denke ich darüber nach, dass unser Gespräch bestimmt abgehört wird. Bei dem Polizeiaufgebot wird doch bestimmt alles überprüft. Ein Gutenachtkuss ist vermutlich nicht sicherheitsrelevant, aber verdammt wichtig. Nach dem Auflegen fühle ich mich einsam. Ich schalte den Fernseher aus und blicke aus dem Fenster.

Eher stirbt man im Auto
In der Wissenschaft muss man Phänomene verifizieren, und solange dieses nicht geschieht, fehlt der endgültige Beweis. Jeder von uns kann zum Beispiel das Gesetz der Schwerkraft selbst überprüfen, doch in der Welt des Terrors herrschen anscheinend andere Regeln: Wenn Sicherheitsbehörden angebliche Bomben finden oder von einem erhöhten Risiko sprechen und dieselben Sicherheitsbehörden von uns Bürgern mehr Geld verlangen, dann ist das absurd.

Das grenzt an einfache Selbstbedienung. Niemand von uns Bürgern kann kontrollieren, ob das alles stimmt. Und überhaupt mag ich diese Panikmache nicht. Als Naturwissenschaftler habe ich gelernt, Risiken quantitativ zu vergleichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich von einem Auto oder einem Schäferhund getötet werde, ist weit größer, als Opfer eines Terroranschlags in Deutschland zu werden. Nein, ich habe keine Angst, und selbst dann, wenn alle Polizisten Hamburgs um mein Bett stehen, behalte ich meinen klaren Kopf. Das, was hier passiert, ist eine Inszenierung. Ich schlafe ein.

Am nächsten Tag lese ich in einem Kinosaal aus meinem Buch. Ich erzähle, warum Äpfel vom Baum fallen und Vorurteile uns beeinflussen. Und davon, dass es nicht hilft, eine Münze am Automaten zu reiben, bevor man sie einwirft. Das Hamburger Publikum ist offen und sehr herzlich. Wir lachen viel an diesem Abend. Dann muss ich wieder zurück in mein gut bewachtes Hotel an der Außenalster.

Am nächsten Morgen hat es der Terrorkoffer sogar auf die Titelseiten der Tageszeitungen geschafft. Ich ärgere mich über diese unkritische Haltung meiner Journalistenkollegen. Warum beteiligen sie sich an dieser Sicherheitshysterie? Warum wird nicht hart hinterfragt, statt einfach zu glauben, was uns da verkündigt wird?

Der Sicherheitsstaat
Ich frühstücke erneut inmitten von BKA-Beamten, Staatssekretären, Fahrern und Personenschützern. Der Kellner weist mir einen Tisch zu. Ausgerechnet direkt neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Er sitzt allein im gestreiften Hemd und liest Zeitung. Ich frage ihn, warum man solche Tagungen nicht auf dem Lande abhält. “Das ist eben Sache des gastgebenden Bundeslandes”, meint er. Ich mache mich auf zum Buffet.

Inzwischen komme ich mir völlig deplatziert vor. Ich zweifle an dieser ganzen Terrormanie, lehne die diversen Formen staatlicher Überwachungen ab, halte nichts von inszenierten Tagungen, die Städte blockieren, und sitze erneut ausgerechnet inmitten der Apologeten eines Sicherheitsstaates. Am Buffet ist das Müsli und der Fruchtsalat alle. Kein Wunder, die sportlichen Personenschützer ernähren sich gesund!

Die unmittelbare Sitznähe zu unserem Innenminister ist mir unangenehm. Ich bemühe mich wegzuhören. Ich lese in der Zeitung vom Koffer. Beim Durchleuchten seien Batterien gefunden worden, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden waren. Herr de Maizière liest dieselbe Zeitung, und ich frage mich, ob er das alles schon vorher wusste. Beim Verlassen des Frühstücksraums bemerke ich, wie sich der Blick der Sicherheitsbeamten verändert hat.

Die anfängliche Skepsis hat sich aufgelöst. Anscheinend weiß man, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Doch bitte – ich gehöre nicht dazu! Bei meiner Abreise merke ich, dass ich eben ein einfacher Bürger bin. Kein Taxi. Ich gehe mit meinem Koffer erneut in die “unsichere Zone” jenseits der Absperrungen und warte zwanzig Minuten, bis ein Taxi anhält.

Der Fahrer kommt aus Afghanistan. Er erzählt mir, dass die westlichen Medien ein verzerrtes Bild seiner Heimat zeigten. “Die Briten und Amerikaner arbeiten doch mit den Taliban zusammen”, echauffiert er sich. “In Afghanistan gibt es unzählige Bodenschätze und Uran, und das wollen sie sich unter den Nagel reißen. Terror und Anschläge, das ist doch alles Humbug!”

Am Flughafen sind die Sicherheitsvorkehrungen wie erwartet verschärft worden. Es gibt viele Schutzwesten und Maschinengewehre. Vor mir steht ein leerer Kinderwagen – vermutlich ein “Sicherheitsproblem”. Im Flugzeug serviert man uns einen Snack. Es gibt Müsli – endlich!

Ranga Yogeshwar, 51, ist Wissenschaftsjournalist und Moderator.
Quelle – TAZ

Jul 17

Früher war alles einfacher: Ein Mann war ein Gentleman, eine Frau eine Dame und Knigge regelte seit über 200 Jahren wie die Menschen miteinander umzugehen hatten. Und heute? Heute stehen wir vor Fragen wie Ist es ok, wenn ich eine Kontaktanfrage auf Facebook ignoriere?, Bin ich unhöflich, wenn ich im Restaurant mein Handy auf den Tisch lege? oder Wie lange darf ich im Café das kostenlose WIFI nutzen, ohne etwas zu bestellen? Der digitale Lifestyle ändert unser Leben und unser Verhalten. Und selbst Knigge weiß keinen Rat mehr zu Fragen der Höflichkeit 2.0.
101 digitale Empfehlungen

Genau hier setzt das Team des Creation Centers der Telekom Laboratories unter der Leitung von Raimund Schmolze an. Und stellt nun, nach mehrmonatiger intensiver Recherchearbeit und zahlreichen Workshops mit Teilnehmern aus mehr als 12 Nationen, erstmals eine eEtiquette mit 101 Dos and Don’ts für den digitalen Alltag vor.

Das von Julia Leihener geleitete Projekt wurde tatkräftig von ihrer T-Labs Kollegin Prof. Dr. Gesche Joost, Professorin für Interaction Design an der TU Berlin, über 40 internationalen Nutzern, den Masterstudierenden des Royal College of Art in London und der Deutschen Knigge Gesellschaft unterstützt. Genau diese Zusammenarbeit gibt dieser modernen Weiterentwicklung der klassischen Benimmregeln ihre fundierte Basis und macht sie so glaubwürdig.

Mit ihren kurzen Sätzen geben sie pointierte Orientierung wie Nur R2D2 darf eine Beziehung digital beenden. Stelle nur Bilder ins Netz, die Deine Mutter freigeben würde. Überschätze nie Deine digitalen Freunde. Über ein soziales Netzwerk befreundet zu sein heißt nicht, Freunde im realen Leben zu sein. Google Deine Verabredung nicht vor dem ersten Rendezvous“, lass Dich wenigstens ein paar Tage lang verzaubern. Mit einem kurzen Telefonanruf lässt sich eine endlose Kette frustrierender E-Mails umgehen.

Die Empfehlungen des digitalen Lifestyles beschränken sich nicht nur auf Mails, die tagelang unbeantwortet bleiben, oder auf Mobiltelefonierer, die in Bussen und Zügen telefonieren, als seien sie alleine auf der Welt. Die Kategorien der eEtiquette umfassen alle derzeit relevanten Kommunikationskanäle wie SMS, Mail, Telefon, Soziale Netzwerke, Videokonferenzen, Blogs, Chats etc.

Der digitale Knigge auf http://eetiquette.de.

Aug 26

Sie ärgern Schüler, überfordern Eltern und belasten Lehrer – und dennoch gehören Hausaufgaben zum Alltag an deutschen Schulen wie das Pausenbrot. Lehrer wollen mit ihnen den Stoff festigen, Eltern helfen ihren Kindern dabei und die Schüler versprechen immer wieder, sich bei den “Hausis” Mühe geben zu wollen.

Doch sind viele Hausaufgaben, sofort erledigt und von den Eltern streng beäugt, wirklich hilfreich? Die Forschung hat die “Mythen der Hausaufgaben” entschlüsselt. Ein Kasseler Professor benennt ein paar populäre Irrtümer.

“Die gängige Hausaufgabenpraxis ist oft problematisch”, sagt Frank Lipowsky. Der Professor sieht die Heimarbeit zwar als wichtiges Instrument. “Aber Lehrer verschenken oft das Potenzial der Hausarbeit, Schüler nehmen sich selbst ihre Chancen und Eltern wollen helfen und schaden eher. Es wird viel falsch gemacht.” Was, haben Lipowsky und Kollegen an anderen Universitäten untersucht. Ergebnis: Mit ein paar Tricks lassen sich mit Hausaufgaben erstaunliche Ergebnisse erzielen.

“Für Lehrer gilt ‘Lieber oft als viel’”, fasst Lipowsky die Ergebnisse von Studien zusammen. Viel Hausarbeiten bedeuteten nicht viel Lernerfolg, im Gegenteil: “Manchmal schadet das sogar und nimmt den Kindern die Motivation. Viel besser ist es, kleinere Aufgaben mitzugeben, dann aber regelmäßig.” Und die müssten dann gut vorbereitet und mit dem Unterricht verbunden sein. “Die Methode ‘Was wir in der Stunde nicht schaffen, macht Ihr zu Hause’ bringt nichts. Die Aufgaben müssen durchdacht sein, um wirklich einen Effekt zu erzielen.”

Doch was ist durchdacht? “Zu oft werden einfach ein paar Aufgaben aus dem Ärmel geschüttelt. Das hat etwas von Beschäftigungstherapie”, sagt der Professor. Doch bei Hausaufgaben komme es auf “Denken statt Drill” an: “Einfach nur 20 Aufgaben nach dem Schema F rechnen, bringt wenig. Hausaufgaben sollten zum Nachdenken anregen.”

Etwa, in dem der Schüler selbst wählt: “Eine Aufgabe als Pflicht und drei, von der er eine auswählen muss. Das zwingt die Schüler, sich mit dem Stoff zu beschäftigen”. Gut seien auch vorbereitende Hausaufgaben: Selbst recherchieren, selbst ein Experiment machen, selbst Stoff erarbeiten. Und Lehrer müssten den Schülern eine Rückmeldung zu den Aufgaben geben und nicht nur kontrollieren, ob die Hausaufgaben gemacht wurden oder nicht.

Doch die Kinder machen es sich oft selbst schwer: “Es ist eine Binsenweisheit: Ein aufgeräumter Arbeitsplatz und konzentriertes Arbeiten sind wichtige Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit. Dennoch werden die Aufgaben oft über Stunden gezogen, weil jede Ablenkung genutzt wird.”

Mit den Hausaufgaben solle ein Kind nicht nur den Stoff vertiefen, sondern auch eigenständiges Arbeiten lernen. “Das ist viel wichtiger, weil es sich auch auf andere Fächer und das ganze Leben auswirkt.” Und Abwechselung sollte her: “Nach Englisch gleich Französisch? Das geht nicht gut.”

Fehler machen aber auch die Eltern, sagt Lipowsky: “Jeder glaubt, es sei besonders gut, mit dem Sohn oder der Tochter gemeinsam die Hausaufgaben zu machen. Aber genau das schadet eher.” Wenn die Mutter über die Schulter blicke oder der Vater genau das Ergebnis vorschreibe, werde das Lernen behindert. “Das untergräbt die Motivation und macht nur nervös. Die Hausaufgaben sollte der Schüler allein machen.”

Das heiße jedoch nicht, dass sich die Eltern aus der Verantwortung verabschieden sollten: “Im Gegenteil: Die Eltern sollten das häusliche Arbeiten ihrer Kinder im Blick haben und für eine störungsfreie Atmosphäre sorgen.”

“Teilt er sich die Zeit richtig ein? Hat er einen ordentlichen Arbeitsplatz und die nötigen Materialien? Hat er Ruhe und versucht sich zu konzentrieren? Elterliche Unterstützung bedeutet, Hilfe anzubieten für den Fall, dass das Kind nicht weiterkommt.” Es sei “Hilfe on demand” statt Einmischung und Kontrolle gefragt: “Die Eltern sollten ihren Kindern das Gefühl geben, ansprechbar zu sein. Aber bitte keine direkte Hilfe!” Einfach die Antwort auf die Frage nach Rechenergebnis, Tierart oder Hauptstadt helfe nicht. “Eltern sollten ihre Kinder animieren und ihnen Tipps geben, wie sie ihre Aufgaben alleine lösen können.”

Und auf einen weiteren Mythos macht Lipowsky aufmerksam: “Lehrer klagen immer wieder, die Eltern würden sich aus der Erziehung zurückziehen und sich nicht für die Hausaufgaben ihrer Kinder interessieren.” Auch das wurde erforscht. “Doch das ist ein Mythos. Die meisten Kinder erhalten von ihren Eltern Unterstützung und sind nicht auf sich allein gestellt.” (dpa)

Quelle: Frankfurter Rundschau Online

Aug 12
Brauner Müll der Stadt Sonneberg

Brauner Müll der Stadt Sonneberg

Die Stadtverwaltung Sonneberg ließ sechs Tonnen für “Braunen Müll” um einen NPD-Wahlkampfstand aufstellen – für Wahlbotschaften und Infomaterialien.

Quelle: Frankfurter Rundschau Online

Jun 22

Wenn es einen Altar für die Technologie gäbe, dann würde ich nicht zögern, ihn aufzusuchen, um ein paar Kerzen anzuzünden. Diese Kabel, Stromkreise und Chips haben eine größere Menge an Information, Autonomie und Freiheit in mein Leben gebracht, als diejenige, die durch den Willen der Politiker oder durch den Druck des Volkes geschaffen wurde. Genau in diesem Monat werden es 15 Jahre, dass ich meinen ersten Computer zusammengebaut habe, was eine 180-Grad-Wendung für meine Existenz bedeutete. Meine Hand ist ein wenig deformiert wegen der Maus, mein Denken funktioniert die meiste Zeit so, als ob ich einen Entwurf für Dreamweaver machen würde, und ich empfinde sogar die Versuchung Strg + alt + del zu drücken, um ein Reset zu erreichen, sobald mir das, was um mich herum geschieht, nicht gefällt.

Von Yoani Sánchez in Newsletter aus Cuba 2. Teil